Die Schnelligkeit des Velos im städtischen Verkehr ist unbestritten. Die gesundheitsfördernde Wirkung von regelmässigen Velofahrten auch. Und die Velo-Offensive soll dem Velo ja ganz generell Flügel verleihen... Fehlt nur noch ein passendes Logo (wann kommt das Offizielle?). Hier unser zweiter Beitrag.
Dienstag, 8. März 2016
Freitag, 12. Februar 2016
Auf dem gelben Teppich zur Velostation...
Seit wenigen Wochen lädt eine neue breite und eindeutige Markierung zur Velostation Milchgässli ein. Ab dem Bahnhofplatz ist nun die Veloführung für alle sichtbar - Fussgänger, Lieferwagen und sonstige K&R-Lustige, die die Bahnhofplattform nicht gefunden haben. Somit wäre eine wichtige Voraussetzung erfüllt, dass die Durchfahrt für die auf-den-Zug-eilenden Velofahrenden immer frei bleibt. Wie gross die Wirkung tatsächlich ist, wird sich noch zeigen.
Und was meinen die Hauptbetroffenen? Ich persönlich finde es toll und fahre schön zwischen den Linien... für andere scheint die Wunschlinie anders zu verlaufen...
Und was meinen die Hauptbetroffenen? Ich persönlich finde es toll und fahre schön zwischen den Linien... für andere scheint die Wunschlinie anders zu verlaufen...
![]() |
| Ein Teil der neuen Markierung |
![]() |
| Eleganter Beinschwung, aber nicht auf der Markierung unterwegs - fühlt er sich als Lieferwagen wohler? |
Sonntag, 7. Februar 2016
Winter Cycling
Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen, an
dieser Stelle etwas übers Velofahren im Winter zu schreiben. Über die Verhältnisse in Bern, und die prioritäre Schneeräumung der Velorouten in Kopenhagen. Doch statt im Schnee zu radeln, sitzen die BernerInnen Anfang
Februar mittags zum Espresso draussen an der Sonne.
Dass die schneearmen, teils fast schon mediterran anmutenden Winter immer
mehr zum Normalfall werden, ist eigentlich eine schlechte Nachricht. Dass Velofahren dadurch
angenehmer wird, hingegen eine Gute.
Impressionen vom "Winter" 2015/2016:
Impressionen vom "Winter" 2015/2016:
Montag, 14. Dezember 2015
Mittwoch, 18. November 2015
Velostadt Bern
Bern ist zu hügelig für Veloverkehr? Bern hat keine Velokultur wie die Niederländer? Bern kann keine Velostadt werden?
Nun, ein Blick zurück zeigt, dass Bern (wie fast alle europäischen Städte) bereits einmal eine Velostadt war. Der Blick zurück zeigt auch, dass in Bern (wie in fast allen europäischen Städten) eine lange Phase der autogerechten Stadt- und Verkehrsplanung dem Velo den Garaus gemacht hat. Dass an den öffentlichen Verkehr und an die Strasse hohe Subventionen ausbezahlt werden, kam und kommt erschwerend hinzu.
Somit ist klar: es liegt primär an veränderbaren Rahmenbedingungen, ob eine Stadt einen hohen Veloanteil hat. Eine adäquate Infrastruktur dürfte der wichtigste Aspekt sein. Die Niederländer und die Kopenhagener haben es vorgemacht. Und jeder Schritt in Richtung einer transparenten und verursachergerechten Verkehrsfinanzierung würde den Velo- und Fussverkehr stärken und die Kassen der öffentlichen Hand entlasten.
Auch die naturräumlichen Voraussetzungen haben einen Einfluss auf die Velonutzung. Bilder wie das obige beweisen aber, dass leichte Steigungen wie die der Kornhausbrücke keine allzu grosse Limitierung darstellen dürften.
(Bild: Kornhausbrücke 1946. Aus: Bern - die Geschichte der Stadt im 19. und 20. Jahrhundert).
Dienstag, 27. Oktober 2015
Neue Velostreifen - Kernfahrbahn Könizstrasse
Vor ein paar Tagen wurden auf der Könizstrasse zwischen Loryplatz und Weissensteinstrasse durchgehende Velostreifen markiert. Die Parkplätze, welche die Strasse einengten und immer wieder durch öffnende Türen ein Gefahr darstellten, wurden demarkiert, die Parkkartenzone der Anwohner dafür ausgeweitet. Aufgrund der Strassenbreite von 8.00m wurde eine sogenannte Kernfahrbahn markiert, d.h. es gibt keine Mittelleitlinie und grössere Fahrzeuge können im Kreuzungsfall den Velostreifen mitbenutzen. Eine recht einfache Lösung, die mit wenig Aufwand an anderen Orten auch erstellt werden kann.
Massnahmen dieser Art, d.h. mit einer velofreundlicheren (und stadtverträglicheren) Umverteilung des öffentlichen Raumes mehr und breitere Velostreifen zu erstellen, dürften auch in Zukunft einen grossen Teil des Berner Velonetzes ausmachen. An ausgewählten Orten mit hoher Velo-Nachfrage und viel motorisiertem Verkehr werden zusätzlich auch grössere Massnahmen nötig sein (Ideen liefern die Velo-Vorbilder Niederlande und Dänemark).
Ein erster Augenschein vor Ort zeigt, wie hoch die Nachfrage nach einer guten Veloroute auf der Könizstrasse ist. Zwar ist Ende Oktober alles andere als Velo-Hochsaison, eine kurze Zählung ergab aber dennoch eine beeindruckende Zahl an Velofahrenden. Im Querschnitt, also in beide Richtungen, fuhren am 26. Oktober 2015 zur Abendspitzenstunde rund 300 Velos auf den neuen Streifen (180 stadtauswärts, 130 stadteinwärts). Unter der allgemeinen Annahme, dass die Abendspitzenstunde rund 10% des Tagesverkehrs ausmacht, würde für diesen Tag ein Gesamtzahl von 3`000 Velos resultieren. Nächsten Frühling kann detaillierter nachgezählt werden. Gelohnt hat sich die Massnahme allemal.
(Abendverkehr auf der Könizstrasse, 26.10.2015)
Montag, 21. September 2015
Learning from… s`Hertogenbosch und Zwolle
Kurzer Besuch in den niederländischen Velostädten s`Hertogenbosch und Zwolle. Beide wurden in den letzten Jahren (2011 und 2014) zur besten Velostadt in NL gekürt. Was also ist State of the Art der Veloplanung im erfolgreichsten Veloland Europas?
Eines vorweg: Die beeindruckendste Qualität liegt nicht in der Wahl einer bestimmten Infrastrukturmassnahme, sondern in der unglaublich konsequenten und unterbruchsfreien Umsetzung. Sei es als Velostreifen, als separater Veloweg, auf Kreuzungen oder Kreiseln (oft mit Vortritt), oder in der ganzen Breite einer Fietsstraat (Fahrradstrasse). Eine komfortable, separate Fläche fürs Velofahren ist stets vorhanden, sobald ein Bedarf danach besteht. Und dies durchgehend in einer Qualität, welche allen Aspekten des Velofahrens gerecht wird: schnell und ohne Umwege ans Ziel kommend, sich dabei stets sicher fühlend, und nebenbei mit den Kollegen einen Schwatz haltend. Fabelhaft Velofahren. Oder besser (und auf niederländisch) gesagt: lekker fietsen!
„Build it, and they will come.“
In Zwolle und s`Hertogenbosch lässt sich das
Ergebnis einer jahrzehntelangen konsequenten Veloförderung beobachten. Dabei
ist es nicht so, dass die Niederländer immer aufs Velo gesetzt haben. In der
Nachkriegszeit stand wie bei uns die autogerechte Stadt im Vordergrund. Die hohen Unfallzahlen
in den 1960er/1970er Jahren führten aber zu einer starken Bürgerbewegung für
mehr Verkehrssicherheit; und aus der Erdölkrise und der Umweltbewegung ab den
1970er-Jahren wurde ein konsequentes Fazit gezogen: die nachhaltigen
Verkehrsarten erhielt in der Förderung hohe Priorität. Das Ergebnis lässt sich
sehen: 40%-50% aller Wege in Zwolle werden heute je nach Zählweise mit dem Velo
zurückgelegt. Damit zählt Zwolle zusammen mit anderen niederländischen Städten
wie Groningen zur Europaspitze.
T0P 10 Massnahmen
Nachfolgend ist eine Auswahl an Velomassnahmen aufgeführt,
welche zum Erfolg dieser Städte beitragen. Die Auswahl ist subjektiv, die
Reihenfolge ohne Bedeutung. Spass gemacht hat alles davon!
1) Fahrradstrassen
1) Fahrradstrassen
Wo aufgrund der Raumverhältnisse eine separate Spur fürs Velo nicht möglich oder sinnvoll ist, gilt die Fahrradstrasse (Fietsstraat) als bevorzugte Lösung. Fahrradstrassen werden dort realisiert, wo eine hohe Anzahl Velos und wenig motorisierter Verkehr unterwegs ist. Nebeneinanderfahren ist erlaubt, bei Kreuzungen hat die Fahrradstrasse Vortritt. Die Zufahrt und Parkierung für Anwohner bleibt gestattet.
2) Vortritt fürs Velo!
An vielen Kreiseln und bei zahlreichen Seitenstrassen
hat die Veloführung Priorität vor dem motorisierten Verkehr. Ein klares
Statement fürs Velo, welches die Reisegeschwindigkeit und den Komfort enorm erhöht.
3) Der rote Teppich
3) Der rote Teppich
Den roteingefärbten Asphalt für die Veloführung
gibt es fast überall in den Niederlanden. In Velostädten wie Zwolle und
s`Hertogenbosch lassen sich aber besonders komfortable und zusammenhängende
Routen befahren: breite rote Velostreifen im Stadtzentrum gehen nahtlos in rote
Fahrradstrassen in den Wohnquartieren über, um wiederum in räumlich abgetrennte
Velowege am Stadtrand zu münden. Dem Velo wird sprichwörtlich der rote Teppich
ausgerollt.
4) Breite, helle Unterführungen…. und angenehme Velobrücken
4) Breite, helle Unterführungen…. und angenehme Velobrücken
An den grossen Verkehrsknoten am Stadtrand hat das
Velo auch in den Niederlanden nicht immer Priorität. Eine gute Velolösung gibt
es trotzdem.
Dank dem hohem und durchgehenden Routenstandard
lassen sich auch Distanzen über 5km komfortabel und zügig mit dem Velo
zurücklegen.
6) Velofreundliche Lichtsignalanlagen
6) Velofreundliche Lichtsignalanlagen
Zwar hat sich die (Velo-)Konkurrenz aus Kopenhagen den (ersten?) Preis für velofreundliche Lichtsignalanlagen geholt. Aber auch s`Hertogenbosch und Zwolle haben sich was einfallen lassen: Lichtsignalanlagen informieren über die Wartezeit (Bild 1), den schnellsten Weg über die Kreuzung (Bild 2), oder verkürzen die Wartezeiten fürs Velo bei Regen.
(Quelle: fietsberaad.nl)
7) Velostationen, gratis!
Sichere und trockene Abstellmöglichkeiten fürs Velo sind in Stadtzentren immer Mangelware. Und eine neue Velostation kann auch nicht überall aus dem Boden gestampft werden. Aber vielleicht lässt sich ein Untergeschoss in einem Geschäftshaus umnutzen? Es lässt sich, wenn man die Velostadt Nr. 1 in NL werden will. Eine Gebühr für die Velonutzer wird nicht verlangt.
8) Der Velo-Koordinator
(Quelle: fietsberaad.nl)
7) Velostationen, gratis!
Sichere und trockene Abstellmöglichkeiten fürs Velo sind in Stadtzentren immer Mangelware. Und eine neue Velostation kann auch nicht überall aus dem Boden gestampft werden. Aber vielleicht lässt sich ein Untergeschoss in einem Geschäftshaus umnutzen? Es lässt sich, wenn man die Velostadt Nr. 1 in NL werden will. Eine Gebühr für die Velonutzer wird nicht verlangt.
8) Der Velo-Koordinator
In s`Hertogenbosch setzt man auf eine enge
Zusammenarbeit zwischen der Stadtverwaltung und dem niederländischen
Veloverband (Fietserbond). Eine eigens geschaffene Stelle kümmert sich um die
Koordination von Anliegen und Projekten.
9) Patrouillen an den Hot-Spots der Velodiebstähle
9) Patrouillen an den Hot-Spots der Velodiebstähle
Eine Luxus-Idee? Nicht, wenn es um das
Verkehrsmittel Nr. 1 geht…
10) Die niederländische Velokultur…
Eine stark befahrene Strasse mit Vortritt zu queren, und darauf zu vertrauen, dass der Lastwagen dann schon hält, kostet den Schweizer Velofahrer Nerven und lässt ihn immer wieder mit Erstaunen zurück. Etwas besser verständlich wird es, wenn man weiss, dass 80% der niederländischen Autofahrenden selbst velofahren. Man kennt sich gegenseitig.
10) Die niederländische Velokultur…
Eine stark befahrene Strasse mit Vortritt zu queren, und darauf zu vertrauen, dass der Lastwagen dann schon hält, kostet den Schweizer Velofahrer Nerven und lässt ihn immer wieder mit Erstaunen zurück. Etwas besser verständlich wird es, wenn man weiss, dass 80% der niederländischen Autofahrenden selbst velofahren. Man kennt sich gegenseitig.
Wurde denn den Niederländern das Velofahren quasi in die Wiege gelegt (und uns halt nicht)? Wie bereits erwähnt, war der Velo-Erfolg in den Niederlanden keineswegs vorgezeichnet. Was sich heute im Alltagsleben von Zwolle, s`Hertogenbosch und andern Velostädten in NL beobachten lässt, hat eine jahrzehntelange Aufbauarbeit in der Infrastruktur und den entsprechenden politischen Willen als Basis. Ich würde also behaupten: Eine spezielle „Velo-Affinität“ ist keine Vorbedingung für ein erfolgreiches Velosystem und kann auch nicht von oben herab implementiert werden. Sie entsteht von selbst, sobald das Angebot stimmt.
Abonnieren
Posts (Atom)





















